Poesie in Dänemark

Zwischen den Ferienhäuser lesen

Dass man im Land der Dänen herrlich Urlaub machen kann, ist inzwischen längst kein Geheimtipp mehr. Vor allem die dänischen Ferienhäuser haben das Inselreich zwischen Nordsee und Ostsee weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt gemacht. Ob zum Windsurfen nach Klitmöller, zum Bernsteinsuchen nach Mön oder mit der ganzen Familie an den Ringköbingfjord: Überall findet man private oder gewerblich mietbare Häuser und Häuschen, deren Ausstattung man frei wählen kann, je nach Geschmack, Bedarf und Geldbeutel: Perfekt! Aber das ist nicht alles.

Poesie in Dänemark

Die Küstenlandschaften und der weite Blick über Dünen und Heide, die Kargheit des Wattenmeers und das verzauberte Licht der tiefstehenden Sonne lassen sich auch vom Auto aus genießen: Bei Rundfahrten und Exkursionen erlebt man auch große Road Movie Poesie in Dänemark, dem Land der kleinen Kirchen und kurzen Reisewege. Die Vorstellung liegt nahe, dass auch die Einheimischen von ihrem weiten Himmel, von Inselromantik und Inseltristesse inspiriert wurden und werden.

Natürlich sollten Fahrten mit dem Pkw heutzutage immer ein klares Ziel haben. Die Zeiten, in denen man offen zugeben konnte, einfach aus reiner Freude am Geräusch des Motors und der vorüberziehenden Landschaften unterwegs zu sein, kommen vielleicht zurück, so bald es gelungen ist, emissionsfreie Autos serienmäßig herzustellen. Warum also nicht nach Fünen fahren und das Geburtshaus von Hans Christian Andersen besuchen?

Dänemark erzählt seinen Gästen

Hans Christian Andersen, diesen Namen kennt fast jeder und assoziiert ihn mit der kleinen Meerjungfrau, der Schneekönigin oder der Geschichte vom fliegenden Koffer. Zu Ehren und Gedenken des Poeten und großen dänischen Erzählers, der Zeit seines Lebens keine erfüllte Liebe kannte und die traurigsten und schönsten Märchen der Welt schrieb, errichtete man hier ein Museum und eine erlebbare Märchenwelt, die nicht nur Kinder begeistert. Mit der kleinen Eisenbahn zu fahren oder die umliegenden Gärten zu bewundern stellt den perfekten Tagesausklang dar.

Auf Seeland, der größten Insel Dänemarks, liegt die Hauptstadt Kopenhagen. Hier verstarb vor rund drei Jahren Inger Christensen, eine der bedeutendsten Poetinnen Europas. Viele Jahre lang war sie als Nobelpreiskandidatin im Gespräch und hatte Kopenhagen 1962 zu ihrem Wohnsitz gemacht. Ihr Gedichtzyklus Det umfasst mehrere hundert Seiten, spielt mit Zahlen und Grammatik und ist in manchen Passagen mit der Göttlichen Komödie von Dante verbunden.

Kopenhagen und Christiania

Die Freistadt Christiania ist ein Kopenhagener Phänomen, von dem man auch annehmen könnte, ein experimenteller Dichter habe es erfunden. Ein Staat mit eigenen Gesetzen, mit Autoverbot, Selbstbestimmung und freier, teils anarchisch anmutender Architektur mitten in dieser kühlen, noblen Kaufmannsstadt?
Wer Kopenhagen zum Shoppen besucht, muss die Christiania erst einmal finden: Sie liegt im Stadtteil Christianshavn auf den ehemaligen Wallanlagen; direkt am Wasser, wobei das im Grunde auf ganz Kopenhagen zutrifft. Noch heute zieht die selbsternannte Freistadt Künstler und Freidenker an. Gescheiterte Existenzen oder Möchtegernrevolutionäre sind heute weniger  erwünscht als noch vor einigen Jahren, denn die Christiania geht mit der Zeit und wird immer seriöser. Vorbei sind die Zeiten, als ihre Bürger, verkleidet als Weihnachtsmänner, erst die Kaufhäuser plünderten, dann vor deren Türen die Beute an Passanten verschenkten und sich dann vor den laufenden Kameras rechtzeitig alarmierter Journalisten medienwirksam von er Polizei verprügeln ließen. Der Freistadt verdankt Kopenhagen immerhin ein ganz besonderes Fahrrad, das in den Straßen allgegenwärtig ist.

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